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MichaelHöger
IT-Beratung & Webdesign
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14 Tage, 2 KIs, 0 Verkäufe — und 5 Lehren, die mir mehr bringen als ein Sieger

14. Mai 2026Michael Höger
KISelbständigMarketing

Ich gebe es gleich am Anfang zu: Mein KI-Experiment ist gerade nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Anfang Mai habe ich zwei KI-Assistenten gegeneinander antreten lassen. Beide sollten innerhalb von 30 Tagen ein verkaufbares Angebot für mein Webdesign-Geschäft bauen. 100 € Budget je Seite, 5 Stunden meiner Zeit pro Woche, freie Themenwahl. Wer am Ende den meisten Gewinn pro Stunde erwirtschaftet, gewinnt.

Heute ist Halbzeit. Stand: 0 Verkäufe auf beiden Seiten. Null. Niente. Beide Pläne sahen auf dem Papier richtig gut aus — und trotzdem ist nichts passiert.

Ich könnte das jetzt einfach unter den Teppich kehren, am 2. Juni einen Sieger auswürfeln und so tun, als wäre alles wie geplant gelaufen. Mache ich aber nicht. Weil das hier fünf Lehren waren, die für jeden Selbständigen mit knapper Zeit relevant sind — auch wenn er mit KI gar nichts am Hut hat.

Das Setup, kurz erklärt

Zwei KIs, zwei Wege:

Die eine — nennen wir sie "Konzept-KI" — hat alles bis ins Detail vorbereitet. Bildkonzept, Texte, einen kompletten Werbebrief, sogar eine Stimmungswand mit Farben und Schriften. Sah aus wie ein professionelles Briefing.

Die andere — "Schnell-live-KI" — hat keine Zeit mit Konzepten verloren, sondern direkt am ersten Tag eine Webseite ins Netz gestellt. Technisch sauber, sofort online.

Zwei sehr unterschiedliche Strategien. Ich war neugierig, welche besser anschlägt.

Was wirklich passiert ist

Tag 14. Stand 0 zu 0.

Die Konzept-KI hatte alles fertig — aber die Werbebriefe wurden nie gedruckt und nie verschickt. Es gab keinen festen Tag, an dem ich auf "Drucken" gedrückt hätte. Also blieb alles im Schreibtisch.

Die Schnell-live-KI hatte ihre Webseite seit Tag 1 online — aber es gab keinen Plan, wie überhaupt Besucher hinkommen sollen. Kein Werbepost, keine Empfehlung, kein Hinweis irgendwo. Eine Webseite, die niemand findet, ist wie ein Laden in der Wüste.

Auf dem Papier hatte ich zwei verschiedene Strategien. In der Realität hatte ich zwei verschiedene Arten von Stillstand.

Die 5 Lehren

1. Der beste Plan bringt nichts, solange er im Schreibtisch bleibt

Ich habe oft beobachtet, dass Selbständige sich vor dem "Loslegen" mit Vorbereitung sicher fühlen. Mood-Boards, Briefings, Texte umschreiben, nochmal ein bisschen polieren. Das Gefühl: "Ich arbeite ja dran."

Aber Arbeit ist nicht dasselbe wie Wirkung. Was zählt, ist der Tag, an dem Sie wirklich auf "Drucken" oder "Senden" oder "Veröffentlichen" drücken. Und dieser Tag muss konkret im Kalender stehen — sonst kommt er nicht.

2. Eine Webseite ohne Wegweiser ist ein Geist

Die schönste Webseite bringt nichts, wenn niemand weiß, dass es sie gibt. Klingt selbstverständlich — und trotzdem habe ich es im eigenen Experiment selbst übersehen.

Wenn Sie eine neue Webseite oder Landing Page bauen, sollten Sie sich gleichzeitig fragen: Wie kommen Menschen darauf? Über Google? Über Social Media? Über einen Brief? Über Empfehlung? Wenn Sie diese Frage am Launch-Tag nicht beantworten können, ist die Webseite nicht fertig — egal wie schön sie aussieht.

3. 5 Stunden pro Woche reichen nicht für Kaltakquise

Das war für mich die unbequemste Lehre. Ich arbeite hauptberuflich Vollzeit in einem anderen Job. Meine Freelance-Zeit ist eng — abends und am Wochenende.

In dieser Zeit eine Brief-Welle planen, drucken, verschicken, nachfassen, Anfragen beantworten, und dann auch noch das Produkt liefern? Geht nicht. Wer mit knapper Nebenher-Zeit arbeitet, muss über Empfehlungen kommen — nicht über Kaltakquise. Empfehlungen brauchen 1-2 Anrufe und ein gutes Erlebnis. Kaltakquise braucht einen ganzen Funnel.

4. Wenn zwei dieselbe Idee haben, hilft auch keine Wette

Hier wurde es lustig: Beide KIs haben sich am Ende für dasselbe Angebot entschieden. Identische Idee, fast identischer Preis. Mein angeblicher Vergleich war keiner mehr.

Übertragen auf den Alltag: Wer "verschiedene Optionen testen" will, muss die Vielfalt erzwingen — nicht hoffen. Sonst wählen alle Beteiligten unbewusst denselben sicheren Weg. Im Team passiert das auch ohne KI.

5. Misserfolg sauber zu zeigen bringt mehr als ein erfundener Sieg

Ich hätte am 2. Juni einfach so tun können, als wäre alles wie geplant gelaufen. Niemand außer mir hätte gemerkt, dass die Zahlen nicht stimmen. Aber dann hätte ich mir selbst ein Bild von Beratung verpasst, das ich nicht ausstehen kann: schöne Ergebnisse, sauber präsentiert, dahinter Folklore.

Wer für andere plant, sollte auch eigene Experimente offen auswerten. Alles andere ist Verpackung.

Was ich für meine Arbeit daraus mitnehme

Drei konkrete Sachen verändere ich ab sofort:

Erstens: Bei jedem neuen Projekt frage ich am Anfang explizit nach Kanälen. "Wie sollen Menschen Ihre neue Webseite finden?" wird Teil meines Briefings — nicht erst nach dem Launch.

Zweitens: Empfehlungs-Mechanik vor Kaltakquise. Wer Vollzeit-Job und Selbständigkeit kombiniert, braucht ein System, das mit wenig Zeit funktioniert. Daran arbeite ich gerade.

Drittens: Pläne brauchen Auslöser. Ein Datum im Kalender, eine Person, die zuständig ist, eine Konsequenz wenn's nicht passiert. Sonst bleibt es Mood-Board.

Die zweite Halbzeit des Experiments läuft noch bis zum 2. Juni. Wenn doch noch etwas passiert, melde ich mich. Wenn nicht, war es das wert, dass ich es offen ausgewertet habe.